Yuzu – eine hippe Zitruspflanze

Derzeit ist sie in aller Munde, sowohl bildlich gesprochen als auch tatsächlich – die Yuzu (Citrus x junos). Sie ist eine kältetolerante Zitrus-Rarität und -kreuzung (Citrus ichangensis x Citrus reticulata), die auch Ichang-Zitrone genannt wird.  Das Interesse, das aktuell an diesen Früchten besteht, nehme ich zum Anlass, um im heutigen Beitrag ausführlich über die Citrus x junos zu schreiben, und außerdem detaillierte Pflegetipps für die Yuzu und ganz allgemein für Zitruspflanzen zu geben.

Citrus x junos – Yuzu, Citrus ichangensis x Citrus reticulata

Yuzu-Pflanzen stammen ursprünglich aus dem Osten Chinas, dem mittleren Yangtze-Tal. Heute liegt das größte Anbaugebiet in Japan, auf der Shikohu-Insel. Aber auch in Europa gibt es kleinere Produzenten, die hauptsächlich die Pflanzen für Sammler anbieten und weniger auf die Fruchternte spezialisiert sind.

Zunächst dienten die Yuzu-Pflanzen sowohl als Zierpflanzen, als auch als Veredelungsunterlagen für andere Zitrus-Sorten. Mittlerweile jedoch findet das Öl der Fruchtschale in der Kosmetikindustrie Verwendung und die Früchte erobern nunmehr auch die feine Küche und sogar Bars. Der spärliche Saft der Früchte, die geriebene Schale sowie aus der Schale gewonnenes Pulver finden seit Jahrhunderten in der asiatischen Küche Verwendung und halten zusehends Einzug in die westliche Spitzenküche. Extrakte der Früchte werden ebenso zur Herstellung moderner alkoholischer Getränke oder Fruchtdrinks eingesetzt.

grüne Yuzu – Frucht

Die Citrus x junos wächst als immergrüner, aufrechter Strauch oder Baum. Die Zweige sind an den Blattachseln mit ca. 3 Zentimeter langen Dornen bewehrt. Charakteristisch sind die stark vergrößerten, geflügelten Blattstiele. Die großen, intensiv duftenden Blüten öffnen sich im Frühjahr und von Herbst bis Ende des Jahres können die Früchte in unterschiedlichen Reifestadien und daher mit unterschiedlichem Aroma geerntet werden. Die kernreichen Früchte schwanken zwischen gelb und orangefarbener Schalenfärbung und sind von Mandarinen- bis Zitronengröße. Sowohl die Schalen als auch der Saft der Früchte schmecken bittersüss und intensiver als bei der Zitrone. Die Früchte enthalten angeblich auch dreimal soviel Vitamin C wie Zitronen.  Die Züchtung der Sorte Yuzu Butan hingegen ist nahezu kernlos und süßer im Geschmack. 

Laub und Dornen von Citrus x junos – Yuzu, Citrus ichangensis x Citrus reticulata

Yuzu-Stämmchen können ab März/April in Topfgärten draußen auf Balkon, Terrasse und Garten verbringen.  Ganzjährig können sie in beheizten oder unbeheizten Wintergärten stehen. Im Weinbauklima sind Yuzu-Stämmchen mit leichtem Winterschutz sogar winterhart. 

Citrus x junos – Yuzu, Citrus ichangensis x Citrus reticulata mit Duranta erecta „Geisha Girl“- Traubenbeere, Himmelsblüte

Alle Zitruspflanzen (Citrus), egal ob Yuzu oder Orange, Zitrone, Mandarine, Limette oder Kumquat unterscheiden sich im Grundsatz nicht in der Pflege. Das Gießen, Düngen und der Schnitt von Zitruspflanzen ist bei allen gleich. Hat man bei einer Zitruspflanze die Handhabung raus, kommt man mit allen klar. Der mit Abstand häufigste Pflegefehler bei Zitruspflanzen ist zu seltenes gießen oder zu geringe Wassermengen bei den Gießdurchgängen. Zitruspflanzen sind Sonnenliebhaber, die Wurzeln aber dürfen nicht überhitzen. Wenn im Sommer die pralle Sonne täglich stundenlang auf dunkle Pflanzgefäße brennt, heizt sich die Erde darin extrem auf und die Wurzeln schränken ihre Aktivität ein. In der Folge kommt es, trotz feuchter Erde, zu Welk-Erscheinungen, da die inaktiven Wurzeln den Wasserverlust der Blätter nicht ausgleichen können. Daher ist es empfehlenswert die Töpfe von Zitruspflanzen zu beschatten. In einem Topfgarten können weitere, niedrige Sommerklassiker, wie zum Beispiel Oleander, Traubenbeere oder Plumbago, den Wurzelballen der Zitruspflanzen auf attraktive Weise Schatten spenden.

Citrus – Zitrus, Zitrusbaum, Citrusbaum, Zitrusbaeumchen

Zitruspflanzen brauchen im Sommer viel Wasser, vor allem dann, wenn sie an sonnigen Plätzen im Freien stehen. Hier ist in der Regel eine Wassergabe pro Tag nötig und diese sollte üppig ausfallen.  Gießen Sie also nicht zögerlich, sondern bei jedem Durchgang so viel, dass die Erde bis zum Topfgrund befeuchtet wird. Wenn Wasser durch die Topflöcher rinnt, ist dies noch kein verlässliches Zeichen dafür, dass die Erde ausreichend nass ist! Gerade ausgetrocknete Erde lässt an den Topfrändern Ritzen klaffen, über die das Wasser rasch, aber völlig ungenutzt abläuft. Etwas Wasser im Untersetzer (ca. 1 cm Wasserhöhe) ist im Sommer kein Drama. Gießen Sie bevorzugt mit Regenwasser, Leitungswasser ist jedoch nicht tabu.  Zitruspflanzen benötigen dringend Calcium für eine optimale Versorgung. Zum Düngen sollten Sie daher hochwertigen Zitrusdünger verwenden, der ein Mischungsverhältnis von Stickstoff (N) zu Phosphat (P) zu Kalium (K) von 1 zu 0,2 zu 0,7 aufweist. Umgerechnet auf den Gehalt eines guten Düngers sollte dieser z.B. bei 10 % Stickstoff, 2 % Phosphat und 7 % Kalium liegen. Besser sind Dünger, die 20 % Stickstoff, 4 % Phosphat und 14 % Kalium oder annähernde Werte aufweisen, und damit in der Summe deutlich mehr Nährstoffe enthalten. Hiervon genügt in der Vegetationsphase von März bis Oktober eine Gabe pro Woche. Bei niedriger konzentrierten Düngern sind die Gaben entsprechend zu multiplizieren.

Citrus – Zitrus, Zitrusbaum, Citrusbaum, Zitrusbaeumchen

Als Grundregel des Winterquartiers gilt: Je wärmer der Standort ist, umso lichtreicher muss er sein. Je kühler das Winterquartier Ihrer Zitruspflanzen ist, um so eher reicht das Tageslicht in einem Kellerraum mit Südfenster.  Ein zu dunkles oder zu kühles Winterquartier kann zu teilweisem oder gänzlichem Blattabwurf führen, der zwar unschön, aber nicht bedrohend für die Zitruspflanzen ist. Der Laubabwurf wird durch den Neuaustrieb ab März/April ausgeglichen, der die Kronen rasch wieder vollständig begrünt. Das kurzzeitige Temperaturminimum, das Zitruspflanzen tolerieren, variiert je nach Art. Hier sollten Sie sich individuell für Ihre speziellen Zitruspflanzen erkundigen. Zitronat-Zitronen sollten auch kurzfristig nicht unter 5  Grad stehen. Citrus limon oder Citrus sinensis können vorübergehend schon einmal 0 Grad ertragen,  für die robusten Citrus x junos liegt das Minimum sogar bei – 10 Grad. 

Im Winter brauchen  Zitruspflanzen weiterhin eine konstant leicht feuchte Erde. Sie sollte weder über längere Zeit durch und durch nass sein, noch darf sie austrocknen. Am Besten ist es, Sie kontrollieren alle 2 bis 3 Tage, indem Sie die Erde berühren. Gießen Sie immer dann wieder, wenn die Erde leicht abgetrocknet ist und stets so viel, dass die Erde bis zum Topfgrund durchfeuchtet wird. Gießt man immer zu wenig, bleiben die unteren Wurzeln stets trocken und sterben allmählich ab. Hartnäckig hält sich der Irrtum, dass Fußbodenheizungen schaden. Ein warmer Boden ist aber kein Problem, dadurch erhöht sich lediglich die Verdunstungsrate, was einen erhöhten Wasserbedarf zur Folge hat, dem Rechnung getragen werden muss. Gedüngt werden Zitruspflanzen, solange sie wachsen. Dies kann in lichtreichen, beheizten Wintergärten bis weit in den November, ja sogar bis in den Dezember und Januar hinein der Fall sein. Bei Exemplaren, die suboptimal in lichtarmen Räumen überwintern, düngt man ab Mitte/Ende September nicht mehr, um die Bildung neuer, bis zum Winter nicht voll entwickelter Blätter und Triebe zu verlangsamen bzw. zu stoppen. 

Je häufiger und konsequenter Sie Zitruspflanzen schneiden, umso schöner und kompakter bleiben die Kronen.  Werden sie nicht geschnitten, schadet das den Pflanzen nicht, sie wachsen dann natürlicher, lichter und ohne Kugelkrone.  Wollen Sie das nicht, dann stutzen Sie die Kronen immer dann, wenn sie anfangen, aus der Form zu geraten – bereits während des Sommers! Geschnitten wird jeder Trieb stets 2-3 Millimeter über einem Blatt oder einer Knospe, die zum Kronenäußeren zeigen. Für größere Kronenkorrekturen, die bis ins alte Holz reichen, ist der Spätwinter die beste Zeit, kurz bevor die Pflanzen frisch austreiben. Wunden, die größer als eine 1-Euro-Münze sind, verstreicht man an ihren Rändern vorsorglich mit Baumwachs.

Citrus- Zitrus, Zitrusbaum, Citrusbaum, Zitrusbaeumchen

Wie alle Pflanzen brauchen auch Zitruspflanzen gut durchlässige, stabile Erde, da gerade größere Exemplare jahrelang im gleichen Gefäß bleiben. Das bedeutet, dass die Erde reichlich steinige Anteile in Form von Lavastücken, Kalksteinbruch, Blähtonbruch oder anderen Materialien wie Splitt, Kies oder grobem Sand enthalten sollte. Reine Humus- oder gar Torferde, wie sie leider häufig als Spezialerde für Zitruspflanzen angeboten wird, ist ungeeignet. Zitruspflanzen müssen nicht zwingend jährlich umgetopft werden. Ausschlag gibt der Durchwurzelungsgrad der Töpfe: Ist die Erde mit einem feinen Wurzelgeflecht vollkommen durchzogen, ist ein neues, im Durchmesser nur 2-5 cm größeres Pflanzgefäß ratsam. Ist noch viel lockere Erde vorhanden, wartet man. Die beste Zeit zum Umtopfen ist im März/April vor dem frischen Austrieb. Doch auch die Monate danach bis einschließlich Juli sind fürs Umtopfen geeignet. Danach allerdings sollte man bis zum Frühjahr warten, da die frische Erde sonst zu lange undurchwurzelt bleibt und Überwässerung zu Wurzelschäden führen kann.

Im Sommer können Zitruspflanzen anfällig für Spinnmilben und im Winter für Schildläuse sein. Blattläuse im Frühling an den jungen Triebspitzen sind eher selten und leicht zu beheben. Mischen Sie in einem Liter Wasser 20 ml Spiritus und 15 ml Schmierseife auf und sprühen Sie die Blattläuse damit an. Sie trocknen ein, die leeren Hüllen aber bleiben haften. Für Schild- und Wollläuse gilt das Gleiche. Auch sie lassen sich durch mehrfaches Anwenden einer Spiritus-Schmierseifen-Lösung in Zaum halten. Gegen Spinnmilben helfen leider nur Spritzmittel, die als Akarizide ausgewiesen sind. Mittel, die allgemein gegen saugende und beißende Insekten helfen, schlagen bei Spinnmilben nicht an. Dosieren Sie Pflanzenschutzmittel  immer so, wie auf der Packung angegeben, nie höher! Damit riskieren Sie nicht nur Ihre eigene Gesundheit, sondern auch die der Pflanzen, deren Blätter Schaden nehmen. Aber Sie sollten die angesetzte Spritzbrühe sehr reichlich aussprühen, damit wirklich alle Pflanzenteile von den Blattunterseiten bis zur Rinde mit dem Wirkstoff benetzt werden. Sprüht man halbherzig, bleiben Schädlinge übrig, die sich rasch wieder vermehren. Spritzmittel, egal ob sanfte oder chemische, werden nie bei Sonnenschein angewandt. Je länger die Einwirkzeit, umso besser das Ergebnis. Deshalb sollte es am Folgetag nicht regnen. 

Wie Sie sehen, ist die Pflege von Zitruspflanzen keine Zauberei und besonders nicht die, der widerstandsfähigen Yuzu. Mit ihr können sowohl Sammler von Zitruspflanzen als auch Anfänger eine angesagte und besondere Rarität genießen.

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