Tropen-Feeling für Vögel und ihre Halter

Wenn Sie Ihrer Familie und Ihren gefiederten Schützlingen gleichermaßen eine möglichst naturnahe Atmosphäre zu Hause bieten möchten, was läge da näher, als sich Pflanzen mit tropischem Ambiente in die Wohnräume zu holen? Mit Blick auf das dunkle Grün saftiger Blätter fühlen sich wahrscheinlich selbst solche Vögel wie zu Hause, die hierzulande aus dem Ei geschlüpft sind und den echten Dschungel nie gesehen haben. Die Farbe Grün wirkt nicht nur beruhigend auf unser eigenes Nervenkostüm – auch bei Tieren lässt sich eine höhere Ausgeglichenheit feststellen, wenn sie Pflanzen in ihrem näheren Umfeld haben.

Auf Blüten kommt es ihren fliegenden Hausbewohnern dabei weniger an als auf große oder dicht wachsende Blätter. Deshalb gilt der Blick im heutigen Beitrag nicht den Blütenpflanzen, sondern den Blattschmuckpflanzen, die Mannshöhe erreichen können und damit zum Teil Kletter- und Landemöglichkeiten für Papagei und Co bieten. Und: Nicht selten genug warten auch Blattschmuckpflanzen mit fantastischen Blüten auf.

Ein wahrer Gigant unter den Grünmachern ist das Elefantenohr (Alocasia macrorrhiza). Je nach Topfgröße können seine Blätter die Größe eines halben Türblatts, ja sogar eines ganzen erreichen. Ihre Herzform macht sie umso attraktiver, zumal die Blattadern leicht eingesenkt sind und den großen Flächen Struktur geben. Um sein Laub fit zu halten, braucht das Elefantenohr reichlich Wasser zu Boden und zu Luft.

Alocasia macorrhiza – Elefantenohr, Alocasie, Giant Taro, Riesenblaettriges Pfeilblatt

Gießen Sie mehrmals pro Woche reichlich und überbrausen oder besprühen Sie die Blätter wann immer möglich. Wichtig dabei: Stets handwarmes, auf rund 25 °C temperiertes Wasser verwenden. Eine eiskalte Dusche kann bei allen tropischen Pflanzen ebenso zu Blattschäden führen wie eine allzu heißes Wasser über 30 °C. Positiv wirkt sich kalkarmes Sprühwasser aus, denn es hinterlässt beim Abtrocknen keine weißlichen Flecken auf den ansonsten makellosen Blattflächen. Das Elefantenohr braucht keinen Platz direkt am Fenster, denn direkte Sonne würde die riesigen Blätter sogar „verbrennen“ und zu braunen Blattflecken führen. Alocasien sind nicht lichthungrig und nehmen auch mit einem Standort in zweiter Reihe vorlieb, sind aber fürs Tropen-Feeling unschlagbar.

Heliconia, Heliconia rostrata – Helikonie, Heliconie, Falsche Paradiesvogelblume, Hummerschere, Wild Plantain

Helikonien sind vielen von Ihnen ein Begriff als ebenso ungewöhnliche wie prachtvolle Blütenpflanzen der Tropen. Leider sind sie hierzulande wenig freigebig mit ihrem Blütenschmuck und brauchen dafür in jedem Falle das Klima eines Wintergartens. Wer jedoch der Heliconia schiediana (Hummerschere, Helikonie, Falsche Paradiesvogelblume) oder der Heliconia rostrata (hängende Hummerschere, Rote Helikonie Flasche Paradiesvogelblume) ideale tropische Bedingungen mit ca. 20°C, konstanter Luft- und Bodenfeuchtigkeit und einem hellen Standort ohne direkte Sonneneinstrahlung bieten kann, wird mit prächtigen, paradiesischen Blüten in rot-gelb  belohnt. Aber auch ohne Blüten bietet der dichte Blattschmuck der Helikonien tropisches Flair.

Heliconia, Heliconia schiediana – Helikonie, Heliconie, Falsche Paradiesvogelblume, Hummerschere, Wild Plantain
Hedychium gardnerianum – Schmetterlingsingwer, Kranzblume, Garland Lily, Ginger Lily

Weniger empfindlich und dabei sehr ähnlich sind die verschiedenen Vertreter der Zieringwer (Hedychium). Die imposanten, zylindrischen Blütenstände des Kahili-Ingwers (Hedychium gardnerianum) erreichen gut 20 cm Länge und 8 bis 10 cm Durchmesser! Aus den gelben Blütenkelchen ragen im Spätsommer neckische, lange, rote Staubfäden heraus, die den exotischen Anblick ebenso verstärken wie der süße, intensive Duft. Dank ihrer schönen Form hat die weiß blühende Variante (Hedychium coronarium) trefflicher Weise den Beinamen Schmetterlingsblume erhalten.

Hedychium coronarium – Schmetterlingsingwer, Kranzblume, Garland Lily, Ginger Lily

Auch die orange blühende Schwester Hedychium densiflorum nach seiner Herkunft Tibet-Ingwer genannt, mit der keck aufrecht stehenden Blüte ist eine Überlegung wert.

Hedychium densiflorum „Assam orange“ – Schmetterlingsingwer, Zieringwer, Tibet-Ingwer, Kranzblume, Garland Lily, Ginger Lily

Der Muschelingwer (Alpinia zerumbet) gesellt sich hinzu und wartet mit weiß-rot-gelben Blüten auf, die sich wie die Schalen einer Muschel öffnen und den Blick ins Innere frei geben. Statt grüner Blätter trägt die Sorte `Variegata´ (buntlaubig) gelb-grün gemusterte Blätter, die das ganze Jahr für Hingucker sorgen. Sie alle blühen in den Spätsommer- und Herbstmonaten zu einer Zeit, da die Blütenpracht im Garten spürbar nachlässt – und man sich umso mehr über späte Fanfaren freut.

Alpinia zerumbet – Ingwerlilie, Porzellan-Ingwerlilie, Alpinie, Ginger Lily
Alpinia zerumbet – Ingwerlilie, Porzellan-Ingwerlilie, Alpinie, Ginger Lily

Halten Sie die Erde stets leicht feucht, aber nicht ständig tropfnass. Ein sonniger Standort ist unnötig, im Gegenteil: Plätze mit diffusem Licht sind den Zieringwern willkommener. Geben Sie von April bis November zwei bis drei Mal pro Monat Flüssigdünger für Blühende Zimmerpflanzen mit ins Gießwasser.

Zu ebenso heimischem Ambiente für Ihre gefiederten Freunde tragen Paradiesvogelblumen bei. Abgeleitet von ihrem botanischen Namen werden diese Tropenschönheiten kurz auch Strelitzien genannt. Dabei sind es bei der kleinen Strelitzie (Strelitzia reginae) nicht nur die orange-blauen Blüten, die an Vogelköpfe erinnern und die Blicke auf sich ziehen. Ebenso hübsch anzusehen sind ihre Blätter, die wie Ruderblätter geformt und graugrün gefärbt sind. Sie sind fest, derb und bieten kleineren Vogelkrallen wacker Widerstand. Auch die Blüten halten einiges aus, denn auch sie sind mit ihrem unteren, kahnförmigen Tragblatt stabil konstruiert.

Strelitzia reginae – Paradiesvogelblume, Bird of Paradise, Strelitzia

Ein häufiges Vorurteil, dass Strelitzien erst nach vielen Jahren blühen, ist eine Frage der Herkunft. Für Pflanzen, die aus Samen gezogen wurden und meist sehr preiswert zu haben sind, trifft es zu, dass man bis zu sieben Jahre Wartezeit einkalkulieren muss, bis der Flor einsetzt. Für Exemplare, die durch Teilung großer, alter Mutterpflanzen entstanden sind, trifft es nicht zu: Sie blühen sofort, denn als genetisch identische Abbilder der Ursprungspflanze haben sie die Fähigkeit zur Blüte bereits einprogrammiert. Wer nicht ewig warten möchte, sollte deshalb etwas mehr Geld für geteilte Pflanzen ausgeben.

Strelitzia nicolai – Baum-Strelitzia, Natal-Paradiesvogelblume, Giant Bird of Paradise

Gleiches gilt für Baumstrelitzien (Strelitzia nicolai). Diese ebenfalls aus Südafrika stammenden Blattschmuckpflanzen mögen auf den ersten Blick Bananen ähneln. Ihre Blätter sind jedoch fester, die Blüten riesig und weiß-violett gefärbt. Mit Hilfe ihrer Blattstiele bilden Baumstrelitzien mit den Jahren „Stämme“, das Laub wird immer länger. Deshalb sind für diese Variante der Paradiesvogelblume hohe Räume angeraten. Beide brauchen viel Licht, aber keine winterliche Ruhepause bei niedrigen Temperaturen. Mit einem Dauerplatz in warmen Wohnräumen sind sie vollauf zufrieden, wenn man sie lieber etwas weniger als zu viel gießt und nur ein bis zwei Mal pro Monat von April bis September düngt. Verwenden Sie keine überdimensionierten Töpfe. Hier bilden Strelitzien zwar viel Laub, aber weniger Blüten!

Pedilanthus tithymaloides – Rote Schuhbluete, Schuhblüte, Devil’s Backbone, Redbird Flower

Ebenfalls weitgehend unbekannt ist die Schuhblüte (Pedilanthus tithymaloides). Ihre fingerdicken, grünen Triebe wachsen im Zickzack und sind biegsame Landeplätze für kleinere, gefiederte Gesellen. Die Blätter sind zart und mit unterschiedlich hellen und dunklen Grüntönen gemustert. Diese Färbung nennt der Gärtner „Panaschierung“. Fallen die Blätter während des Jahres ab, ist dies kein Grund zur Sorge: Durch ihre grüne Rindenfärbung sind die Pflanzen auch ganz ohne Laub in der Lage Energie durch Photosynthese aufzubauen.

2 Antworten auf „Tropen-Feeling für Vögel und ihre Halter“

  1. Hallo Pflanzenfreunde
    Ich brauche Hilfe bei der Pflege meiner Alpinia zerumbet. Ich habe sie seit mindestens 10 Jahren, sie ist fast 2 Meter hoch üppig grün und gesund. Aber: sie hat noch nie geblüht!
    Im Sommer steht sie im freien, ab Herbst im Glashaus bei etwa 12 Grad und wird etwa alle 14 Tage mäßig gegossen. Im Sommer draussen gibt es wöchentlich Regenwasser mit wenig Flüssigdünger. Ich schneide nur braune Blätter weg.
    Trotzdem blüht das Teil einfach nicht.
    Was passt der Dame nicht??
    Andere Ingwersorten, Strelitzien, Bananen und vieles andere blüht zuverlassig.
    Hat jemand eine Idee??

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