Palmen – Urlaubsgefühl im eigenen Garten

Viele Fragen sich, ob es nicht auch in Nord- und Mitteleuropa möglich ist, Palmen im Garten auszupflanzen. Die Sommer werden immer wärmer und trockener und die letzten Winter waren nicht besonders kalt. Freunde exotischer und tropischer Pflanzen möchten sich nicht damit begnügen, das Haus, die Terrasse oder den Wintergarten mit außergewöhnlichen Pflanzen zu schmücken, sondern sie wollen auch dem Garten dauerhaft südländisches Aussehen verleihen. Palmen sind dabei besonders geeignet, uns ein Gefühl von Urlaub am Mittelmeer, den Tropen oder der Karibik zu vermitteln.

Butia capitata – Geleepalme – Gelee-Palme, Jelly Palm

In dem heutigen Beitrag möchte ich allen, die mit dem Gedanken spielen, eine Palme auszupflanzen, bei der Auswahl der geeigneten Pflanzen und mit nützlichen Pflegetipps behilflich sein. Sicherlich sind nicht alle Palmengattungen gartentauglich, jedoch mit der richtigen Wahl, entsprechender Vorbereitung und bei Beachtung einiger Tipps, kann das Palmenexperiment gelingen.

Trachycarpus fortunei – Hanfpalme, Chinesische Hanfpalme

Palmen wachsen nicht nur an karibischen Stränden, Palmenarten kommen auch in kalten Bergregionen, in denen auch viel und längere Zeit Schnee liegt, vor. Es kommt also nur darauf an, die richtige Palme zu finden. Zum Beispiel können Hanfpalmen (Trachycarpus fortunei) wochenlange Frostperioden im Stamm- und Wurzelbereich unbeschadet überstehen.

Trachycarpus fortunei – Hanfpalme, Chinesische Hanfpalme

Der empfindlichste Teil einer Palme ist deren Vegetationspunkt an der Spitze des Stammes. Hier werden die neuen Palmenblätter angelegt. Man unterscheidet zwischen Fiederpalmen, z. B. Butia capitata, und Fächerpalmen, z. B. Trachycarpus fortunei. Bei beiden Arten besteht ein Blatt aus Blattbasis, Blattstiel und Blattspreite. Die Blattbasis ist an den Stamm der Palme angesetzt und die Basen alter, abgestorbener und abgeschnittener Blätter, die Blattnaben, geben dem jeweiligen Palmenstamm sein typisches Aussehen. An der Spitze des Stammes aber sind die Blattbasen der neu treibenden Palmenblätter dicht zusammengepresst. Nimmt dieses „Herz“ der Palme nachhaltig Schaden, stirbt die Palme ab. Einen Neuaustrieb an tiefere Stelle des Stammes, wie wir das von anderen Pflanzen kennen, gibt es bei Palmen nicht.

Butia capitata – Gelee-Palmen-Palme

Ob die Palme also bei uns winterhart ist, hängt daher von mehreren Faktoren ab: von der Palmenart, dem Mikroklima am gewählten Standort, der Kälte und den Niederschlägen und unseren Möglichkeiten die Palme davor zu schützen.

Trachycarpus fortunei – Hanfpalme, Chinesische Hanfpalme

Zu empfehlen sind vorrangig Hanfpalmen. Allen Pflanzenfreunden ist dabei sicherlich die Trachycarpus fortunei bekannt. Aber auch die Trachycarpus wagnerianus steht ihrer populären Verwandten an Frosthärte nicht nach. Das Fasergeflecht am Stamm, das an Jute- oder Hanfgewebe erinnert, ist charakteristisch und namensgebend. Große Fächerblätter mit – von den Lichtverhältnissen abhängig – längeren oder kürzeren unbewehrten Blattstielen und der einstämmige Wuchs der Hanfpalmen schaffen die typische Palmensilhouette, auf die Palmenfreunde Wert legen. Das Laub der Trachycarpus fortunei ist dabei weniger kompakt und ihre Blätter mit bis zu einem Meter Durchmesser deutlich größer aber weniger fest, als das der Trachycarpus wagnerianus. Letztere wächst gedrungener und langsamer und ist daher zu empfehlen, wenn der Platz in die Höhe begrenzt ist. Allen Hanfpalmen ist jedoch die robuste und anspruchslos Art gemeinsam. Sie tolerieren halbschattige wie vollsonnige Standorte gleichermaßen. Während längerer Hitzeperioden im Sommer ist wegen des hohen Wasserbedarfs durch die großen Palmenblätter ausgiebiges Wässern erforderlich.

Trachycarpus wagnerianus – Wagner’s Hanfpalme

Ebenso können Zwergpalmen (Chamaerops humilis) in wintermilden Regionen  Mitteleuropas ausgepflanzt werden. Zwergpalmen wachsen meist mit mehreren Stämmen, auf die die Wuchsenergie verteilt wird, sodass sie in unseren Breiten selten höher als zwei Meter werden. Auch sie zählen zu den Fächerpalmen und haben Dornen an den Blattstielen, sind also bewehrt.  Die kräftigen und robusten Blätter erreichen bis zu 60 Zentimeter Durchmesser und sind auf der Unterseite weißfilizg, wodurch der grau-blaue Farbeindruck verstärkt wird.

Chamaerops humilis – Zwerg-Palme, Zwergpalme, Palmito, Mediterranean Fan Fern

Intensiv graublättrig sind vor allem Exemplare der noch etwas frosthärteren und seltenen Unterart Chamaerops humilis var. cerifera. Deren fächerförmigen Blätter sind auf Unter- und Oberseite mit einer bläulichen, wachsartigen Beschichtung bedeckt und tragen schwarze Dornen.  Auch die Sorte Chamaerops humils „Vulcano“ beeindruckt mit blau-grünen Blätter. Vulcanos wachsen mehrstämmig, sehr dicht und kompakt und bilden attraktive Palm-Büsche.  Alle Zwergpalmen danken einen vollsonnigen Standort mit kräftigen, robusten Blättern und leuchtend gelben Blütenständen und anschließend mit üppigen Rispen der orangen bis braunen, ölhaltigen Früchte bereits in jungen Jahren.

Chamaerops humilis ‚Vulcano‘. – Kompakte Zwerg-Palme

Mit der Gelee-Palme (Butia capitata) möchte ich auch noch eine gartentaugliche Fiederpalme vorstellen.  Elegante, lange, überhängende, grau-grüne Fiederblätter kreieren eine eindrucksvolle Krone.  Der einzeln wachsende Stamm ist dick und schuppenartig mit den Stummeln alter Blattbasen bedeckt. Mit einer Wuchshöhe von bis zu sechs Metern gehören Gelee-Palme zu den kleinwüchsigen Palmen und eigen sich daher auch für den Hausgarten. Auch sie bevorzugen vollsonnige Standorte, wachsen aber auch bei guten Bedingungen Mitteleuropa sehr langsam. Ältere Pflanzen tragen im Spätsommer Früchte, die ein süßes gelbes Fruchtfleisch enthalten, aus dem Marmelade oder Gelee hergestellt werden kann. Sie reifen in großen Mengen und können auch direkt vom Baum gegessen werden.

Butia capitata – Geleepalme, Gelee-Palme, Jelly Palm

Für alle Palmen sollte ein sonniger und warmer Pflanzplatz gewählt werden. Besonders eignet sich ein Platz vor Hausmauern oder in Innenhöfen, an dem die Pflanze idealerweise auch vor Niederschlägen geschützt ist. Dabei gilt der Grundsatz, dass ältere Pflanzen widerstandsfähiger sind als jüngere. Ein nach Süden ausgerichteter Standort ist ideal, während sich in Senken vor allem im kritischen Winter schädliche Kaltluft sammeln kann.

Chamaerops humilis var. cerifera – Blaue Zwerg-Palme, Blaublaettrige Zwergpalme, Graulaubige Zwergpalme, Palmito, Mediterranean Fan Fern

Frostverträgliche Palmen stellen keine hohen Ansprüche an den Boden, allerdings besteht bei zu stark verdichteten Böden die Gefahr, dass die Wurzeln durch Staunässe Schaden nehmen. Zur Vermeidung ist es erforderlich, ein Pflanzloch mit doppeltem so großem Durchmesser, wie ihn der Wurzelballen der Palme hat, und mindestens 30 Zentimeter tiefer, als der Wurzelballen hoch ist, auszuheben. So kann eine Drainageschicht aus Kies und Tonscherben eingefüllt werden und das Pflanzloch mit einem guten Substrat aus Humus, Kompost, Sand, Blähton oder Ziegelsplitt aufgefüllt werden. So ist gewährleistet, dass die Pflanzerde einerseits im Sommer Wasser speichern, aber überschüssiges vor allem im Winter ablaufen kann. Die ideale Pflanzzeit für Palmen liegt im Frühjahr von Ende März bis Juni, sodass der Pflanze die gesamte Vegetationsperiode Zeit bleibt, um sich an den Standort zu gewöhnen und gut einzuwurzeln.

Chamaerops humilis var. cerifera – Blaue Zwerg-Palme, Blaublaettrige Zwergpalme, Graulaubige Zwergpalme, Palmito, Mediterranean Fan Fern

Im kommenden Winter kann dann ein Kälte- und Nässeschutz in Erwägung gezogen werden. Die Möglichkeiten reichen dabei von der Errichtung einer zeltartigen -auch beheizten- Umbauung bis hin zum Aufspannen eines Regen- oder Sonnenschirms über der Palme. Oft genügt es, während der kältesten Monate Januar und Februar, die Wedel locker zusammenzubinden und mit einem Vlies zu umhüllen, das den Großteil der Feuchtigkeit ableitet, zeitgleich aber genügend Luft und Licht zu den Wedeln durchlässt. Grundverkehrt wäre eine Hülle aus Plastikfolie!

Chamaerops humilis – Zwerg-Palme, Zwergpalme, Palmito, Mediterranean Fan Fern

Sollte in Ihrer Region das Auspflanzen einer Palme zu risikoreich sein, empfehle ich, an der gewünschten Stelle ein Loch im Garten auszuheben und die Palme samt Topf darin zu versenkten. Wenn Sie dann die Erde und den noch sichtbaren Teil des Pflanzkübels mit Rindenmulch abdecken oder die Palme dicht mit Einjährigen unterpflanzen, entsteht der Eindruck einer im Garten wachsenden Palme. Bei der Wahl einer robusten Palmenart können Sie die Pflanze früh im Jahr ins Freie bringen, wo sie bis spät in den Herbst stehen kann. Vergessen Sie jedoch nicht, die Palme nach dem Winter langsam an die Sonne zu gewöhnen, indem Sie die Pflanze zunächst einige Tage im Freien in den Schatten stellen.

Liegestuhl unter einer Hanfpalme

Auf jeden Fall garantiert ein neben einer Palme im Garten aufgestellter Liegestuhl Entspannung und Urlaubsgefühl.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.